18.02.16
Kompetent in Clubgeschichte
Seit dem vergangenen Jahr wendet sich die Interessenvertretung der Berliner Clubs verstärkt auch den historischen Aspekten der „Clubkultur“ zu.

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Seit 15 Jahren unterstützt die Clubcommission die Berliner Club-, Festival-, OpenAir-, Party- und Kulturereignisveranstalter. Sie fördert die Branche und ist deren Sprachrohr gegenüber Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Medien.

Sie knüpft überdies synergetische Netzwerke zu anderen Kreativbranchen und organisiert Projekte und Kooperationen, auch auf nationaler und internationaler Ebene.

 

Berliner Clubgeschichte

Seit dem vergangenen Jahr wendet sich die Interessenvertretung der Berliner Clubs verstärkt auch den historischen Aspekten der „Clubkultur“ zu. Ziel ist es, „die Clubkultur stärker im kollektiven Gedächtnis der Stadt zu verankern. Die Geschichtsschreibung der Clubs beruht zurzeit fast ausschließlich auf Berichten der Protagonisten." erläutert Kulturhistoriker Eberhard Elfert, der im Auftrag der Clubcommission die Historie der Berliner Clublandschaft lebendig hält.

60 Prozent der Menschen, die heute in Berlin leben, hatten 1989 nicht die Chance, beim Mauerfall dabei zu sein und die Entstehung der weltweit einzigartigen Clublandschaft hautnah mitzuerleben. Entweder hatten sie zu dem Zeitpunkt noch nicht das Licht der Welt erblickt oder wohnten schlichtweg an einem anderen Ort.

 

Schulungen von Stadtführern

Anfang März 2016 werden daher die ersten 40 Berliner Stadtführer im Themengebiet "Clubkultur" geschult, damit sie neben den allgemeinen Berlin-Informationen auf ihren Touren auch sachkundige Auskünfte über Clubkultur geben können.

 

Die „Clubkultouren“

Mit ihren „Clubkultouren“ tritt die Clubcommission zudem auch selber als touristischer Dienstleister auf. Allein im ersten Halbjahr 2016 wird sie mit siebzehn öffentlichen Fahrradtouren auf drei unterschiedlichen Routen das Wissen um die Geschichte und die Zukunft der Berliner Clublandschaft an Interessierte weitergeben.

 

Das Projekt „Clubattack“

Im November letzten Jahres wurde mit dem Projekt „Clubattack“ erstmalig eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Clubkultur umgesetzt. Im Rahmen einer künstlerisch-performativen  Intervention - also einer Inszenierung im öffentlichen Raum -  gelangten nach Einbruch der Dunkelheit die rd. 30 Teilnehmer mit Fahrrädern an verschiedene historische Clubstandorte, z.B. dem einstigen Eimer, Planet, und Ost-Gut. Ausgehend von historischem Musik- und Bildmaterial interpretierten Künstler aus der Clubkultur die Orte und inszenierten diese mittels mobiler Licht- und Soundsysteme.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 






Weitere clubhistorische Perspektiven

Dass auch andere Akteure in Berlin mittlerweile ihre Blicke auf die Clubgeschichte richten, war vor Kurzem  in der Ausstellung „Alltag Einheit“ im Deutschen Historischen Museum zu bewundern. Präsentiert wurde hier die in Leichtbauweise rekonstruierte Tresortür des einstigen Kaufhauses Wertheim und späteren Clubs „Tresor“. Die Originaltür lag derweil auf einem Hof in der Köpenicker Straße, denn sie hätte mit ihrem Gewicht von dreieinhalb Tonnen die Decke des ehrwürdigen Museumsbaus durchschlagen.

Die Clubkultur ist nach einem Vierteljahrhundert zu einem bedeutenden „kulturellen Erbe“ der Stadt geworden. Es erscheint folglich sinnvoll, sie zu dokumentieren und ihre historischen Zeugnisse zu sichern. „Zugleich  wollen wir aber einer Musealisierung der in Berlin überaus lebendigen Clubszene entgegen wirken.“ so Eberhard Elfert.

 

(Foto: Julia Wüst)