23.10.13
Ein Zertifikat für Open Air Veranstalter
Die Clubcommission möchte sich für ein „Recht auf Open Air Partys“ einsetzen– doch dafür muss es gewisse Spielregeln geben

Am 15.10.2013 lud die Clubcommission alle interessierten Berliner Open Air Veranstalter zum kreativen Austausch ins Büro der Clubcommission ein. 2013 war für die kleinen, unkommerziellen Open Airs kein gutes Jahr. Fast alle Open Airs wurden von der Polizei aufgelöst und viele Veranstalter stehen inzwischen an der Grenze zur Resignation: Wochenlange Arbeit für eine zweistündige Party? Und danach monatelanger Ärger mit den Behörden? Dazu noch saftige Bußgelder riskieren? Am Dienstag wurden aus diesem Grunde bestehende Probleme zusammengetragen und nach Lösungsansätzen gesucht, die sowohl Veranstalter, als auch Anwohner und Behörden zufriedenstellen.

Mit von der Partie waren sowohl die alten Hasen im Geschäft, als auch jüngere Veranstalterkollektive. Trotz der unterschiedlichsten Ausrichtungen, von Dub bis hin zu Techno-Veranstaltungen, verband alle ein gemeinsames Ziel: Sie wollen durch verantwortungsvolles Handeln bessere Bedingungen für die Open Air Kultur schaffen. Die Problemlagen, die zur Sprache kamen, waren sich weitestgehend ähnlich. Im Vordergrund standen auch hier natürlich die Müll- und LärmproblemeArtikelbild, die zur Auflösung der Open Airs durch die Polizei geführt haben. Doch was dies anbetrifft, wissen sich viele schon gut zu helfen: Müllsäcke verteilen, Pfandmarken, Taschen-Aschenbecher und ein ordentlich geführtes Lautstärkeprotokoll können schon sehr hilfreich sein. Doch immer wieder haben unerfahrene Veranstalter in den letzten Jahren diese ungeschriebenen Regeln missachtet: Plätze in der Natur wurden voller Müll zurückgelassen, zu viele Gäste wurden eingeladen, die Open Airs eskalierten. Dies führte zu einem schlechten Ruf in Presse und Politik für die gesamte Szene, obwohl nur Einzele daran beteiligt waren. Die Locations, nun einmal durch schlechte Presse bekannt gemacht, konnten nicht mehr genutzt werden.

Um all diese Probleme mit einem Mal angehen zu können, kam letzten Dienstag eine Art Zertifikat für Open Air Veranstalter zur Sprache. In einem von der Clubcommission betreuten Arbeitsprozess soll unter Einbindung erfahrener Veranstalterkollektive eine Art allgemeiner Verhaltenskodex für Open Air Veranstalter erarbeitet werden. Die wichtigsten Punkte daraus, sowie weitere Aspekte aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatz der Clubcommission (beispielsweise rechtliche Grundlagen, Tipps und Tricks zur Müllvermeidung, Hilfe bei der Einpegelung von Anlagen etc.) können dann in Workshops an andere Open Air Veranstalter weitergegeben werden. Die Teilnahme wird durch ein Zertifikat bestätigt, das bei jeder Veranstaltung mitgeführt und bei jedem Einschreiten von Polizei oder Ordnungsamt vorgezeigt werden kann.

Mit diesem Zertifikat würden die Veranstalter somit eine Selbstverpflichtung eingehen, die sich hoffentlich später wieder auszahlt.Die Clubcommission möchte sich dann später mit diesem Entgegenkommen der Veranstalterszene an Presse und Politik wenden, um so für einen liberaleren Umgang mit Open Airs zu kämpfen und so möglicherweise Gesetzesänderungen bewirken zu können.

Das nächste Zusammentreffen der Berliner Open Air Veranstalter soll nun am 04.11.2013 um 18.00 Uhr im Büro der Clubcommission stattfinden. An diesem Tag können mit Hilfe von spezialisierten Rechtsexperten rechtliche Fragen geklärt werden. Weiterhin soll ein gemeinsames politisches Anliegen formuliert werden.