23.04.15
Biker Club "Nachtwölfe" planen Reise nach Berlin
Das Mitglied des erweiterten Vorstands der Clubcommission Sascha Disselkamp kennt Mitglieder des umstrittenen Clubs und setzt auf Dialog.

Der aktuellen Presse war zu entnehmen, dass am 9. Mai der russische Biker-Klub "Nachtwölfe" eine Motorradreise von Moskau quer durch Ost- und Mitteleuropa bis nach Berlin plant. Laut den Organisatoren verfolgen sie das Ziel, “das Andenken an diejenigen zu ehren, die beim Kampf gegen den Faschismus gefallen sind”. Mit der Tour wollen die Biker die guten Beziehungen zwischen Russland und den durchquerten Ländern stärken.

Die Clubcommission ist ein seit dem Jahr 2000 eingetragener Verein und Zusammenschluss von Berliner Club-, Party- und Kulturereignisveranstaltern. Der Verband unterstützet seine Mitglieder durch branchenspezifische Weiterbildung, Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Networking und Rahmenverträge. Zudem setzt sich die Clubcommisssion durch dialogische Maßnahmen ein, die Toleranz und Akzeptanz der vielfältigen und lebhaften Berliner Clubkultur in der Gesellschaft zu erhöhen. Mehrere Vorstandsmitglieder sind in der Schwulenszene als Veranstalter aktiv und bekennend homosexuell.

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Das Gründungsmitglied der Clubcommission und aktives Mitglied des erweiterten Vorstands Sascha Disselkamp pflegt seit den 1980er Jahren eine enge Freundschaft mit dem aktuellen Präsident der “Nachtwölfe” Alexander Saldostanow. Saldostanow war langjähriger Mitarbeiter in Berliner Clubs wie dem Sexton und dem Tresor, hat Familie in Deutschland und demnach auch eine persönliche Bindung zu Berlin.

“Ich bin sicherlich ein sehr unbequemer Freund, wenn es um homophobe Tendenzen unter den Nachtwölfen geht”, erklärt Sascha Disselkamp, der bereits stundenlange Diskussionen mit seinem russischen Freund geführt hat. Seiner Ansicht nach entspricht dies auch nicht dem Umfeld, in dem sich Saldostanow während seiner Berliner Zeit bewegt hat. Dies ermutigt ihn aber, die Diskussion mit ihm zu führen. “Individuelle sexuelle Selbstbestimmung ist eines der höchsten Güter in einer freien Gesellschaft, für die insbesondere die Berliner Club- und Musikszene steht.” Die Nachtwölfe fühlten sich eng mit der russisch-orthodoxen Kirche und ihren traditionellen Werten verbunden. Dieses unterschiedliche Wertesystem führe zwangsläufig auch zu konfliktreichen Auseinandersetzungen unter Freunden.

Sascha Disselkamp, der gerade von einer mehrwöchigen USA-Reise zurückgekommen ist, setzt auf den bilateralen Dialog zwischen Russen und Deutschen, insbesondere in Zeiten, in denen Politik und Medien auf beiden Seiten unverhältnismäßig rhetorisch aufrüsten.

 

Quellen: